"Tiefeneffekt" mit Schönheitsfehlern

"Tiefeneffekt" mit Schönheitsfehlern

Der Porträtmodus im iPhone 7plus ist in der Praxis nur bedingt brauchbar

Für den flüchtigen Blick oder auf kleinen Bildschirmen sieht er ganz gut aus, dem genaueren Hinsehen hält er aber nicht stand: Apple hat seinem iPhone 7plus einen Algorithmus mitgegeben, der künstlich Unschärfe in ein Bild hineinrechnet und so einen bauartbedingten Nachteil von Smartphone-Kameras ausgleichen soll. Das funktioniert bisweilen ganz gut, wirklich darauf verlassen sollte man sich allerdings nicht. Zu oft verirrt sich der Algorithmus noch bei der Suche der Bildteile, deren Schärfe er reduzieren soll.

Mit Hilfe der gezielten Verteilung von Schärfe kann ein geübter Fotograf das Auge des Betrachters auf wesentliche Teile des Bildes lenken und die Aufmerksamkeit von anderen wegnehmen, die in der Unschärfe verschwimmen. Ist dagegen ein Bild durchgehend scharf, wirken alle Teile des Bildes gleichwertig. Das Auge kann sich schlechter orientieren. Solche Bilder wirken oft wie Schnappschüsse.

Mit größeren Optiken erzielt man die Verteilung von Schärfe in einem Bild durch Fokussierung auf die wichtigsten Stellen und eine Kombination aus großer Brennweite und weit geöffneter Blende. Dadurch wird eine geringe Tiefe der Schärfeebene erreicht. Alles davor und dahinter verschwimmt in der Unschärfe. Dieser Weg ist heutigen Smartphone-Kameras verbaut: Ihre Brennweite ist zu gering, schlicht deshalb, weil sie durch die Dicke des Smartphones begrenzt ist.

Was ausgewachsene Kameras auf optischem Weg erreichen, will Apple beim großen 7er iPhone mathematisch erzeugen: Beim von Apple so genannten "Tiefeneffekt" versucht ein Algorithmus zu ermitteln, welche Teile des Bildes scharf sein sollen. Die übrigen, also meist die Objekte im Hintergrund, werden dann künstlich unscharf gerechnet.

Das funktioniert mal besser, mal schlechter. In meinem Beispielbild bringt das Muster des Tisches den Algorithmus ziemlich durcheinander. Am linken Rand des Glases entstehen Artefakte, die auf einen verwirrten Tiefeneffekt-Algorithmus deuten.


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